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Klappe die Zweite

Autor: HannahSchwab | Datum: 31 Oktober 2016, 19:58 | 0 Kommentare

Im letzten Monat ist eine ganze Menge passiert und ich lerne Lutindi immer besser kennen. Ich habe versucht, ein paar meiner Erlebnisse einzufangen und aufzuschreiben.

Da wäre zuerst einmal mein zweiter Ausflug nach Korogwe. Si-Yeun und ich sind dieses Mal mit dem Pikipiki, dem Motorrad, gefahren. Das Pikipiki ist das meist benutze Fahrzeug hier, ein Auto gibt es nämlich nur vom Krankenhaus. Letztens stand ein fremdes vor der Kirche und dich habe ganz verwundert Si-Yeun gefragt, wie das denn dahin kommt. Sie hat geschmunzelt und sich gefreut, dass ich mich schon so weit eingelebt habe, dass ich über Autos staune.
Aber zurück zu unserem Ausflug: Ich war voll gespannt, denn ich bin vorher noch nie Motorrad gefahren. Es war ziemlich cool, gar nicht ruckelig, denn Bwana Silas ist extra vorsichtig gefahren. So konnte ich die Aussicht und die Sonne in meinem Gesicht genießen. Je weiter wir runter fuhren, desto wärmer wurde es nämlich.
In Korogwe haben Si-Yeun und ich dann Stoff für Kleider gekauft. Den Stoff haben wir zum Schneider, dem „Fundi“ gebracht, gaaaanz genau geschrieben, was wir haben möchten und wurden zum Schluss vermessen. Ich habe mir ein Kleid schneidern lassen. Das auch nicht zu lang, so wie meine Röcke aus Deutschland. Ein Patient hat mich schon gefragt, ob es einen besonderen religiösen Grund hätte, dass ich immer Röcke trage, die schon über den Boden schleifen. Er fand es glaub ichmerkwürdig,dass ich einfach nur zu kurz bin.  Mein Kleid ist hellblau mit roten und gelben Blumen. Es sieht ziemlich genau so aus:

An einem Sonntag haben wir mit dem Chor in Mazange gesungen. Lutindi ist nämlich ein Zusammenschluss von mehreren Dörfern. Das Krankenhaus ist oberhalb von Betania, genauso wie die Kirche und der Kindergarten, die ebenfalls auf dem Krankenhausgelände sind. In dieser Kirche kommen de die meisten Menschen Lutindis zusammen und feiern Gottesdienst, aber auch in den einzelnen Dörfern gibt es jeweils eine Kirche und Gottesdienste, für die Menschen, die es nicht nach Betania schaffen. Von Betania aus läuft man so ca. eine halbe Stunde nach Mazange und um 8 Uhr morgens war Treffpunkt zum gemeinsamen Aufbruch. Als Flora so um zwanzig nach acht als zweite, nach mir, ankam, hat sie herzlich gelacht, dass ich wirklich um acht Uhr an der Kirche gestanden hatte. Ich glaube, da hat sie sich nochmal im Bett umgedreht. Die Proben vor dem Uzinduzi haben aber immer super pünktlich angefangen, deswegen dachte ich, dann sind bestimmt auch alle pünktlich am Treffpunkt. Aber nein.
Der Gottesdienst in Mazange war viel kleiner und auch kürzer als die 3, die ich bis jetzt in Betania erlebt habe. Ganz ruhig und beschaulich.
Nach dem Gottesdienst haben wir noch bei verschiedenen Menschen zu Hause gesungen, die es nicht in die Kirche geschafft haben, und wurden im Center des Dorfes mit einem leckeren Mittagessen, Reis, Bohnen und Chai, versorgt. Es war toll, mitten in dem schwatzenden und lachenden Haufen zu sitzen und irgendwie ein Teil davon zu sein, obwohl ich meistens nicht verstanden habe, was  lustig war. Flora hat mir erzählt, dass sie über ein zweites Chorshirt für den Videodreh diskutiert haben. Mit dem Geld, dass durch den Verkauf der CD gesammelt wurde, wird nämlich ein Videodreh bezahlt. Dann muss ich nur auch die Lieder können, ich komme nämlich bei den Proben gar nicht hinterher, mit die Melodie und die Texte zu merken. Alle anderen können das voll schnell (und das hat nichts mit meinen Gesangskünsten zu tun! :D )
In Mazange haben wir auch noch Zuckerrohr geschenkt bekommen – lecker! Auf dem Rückweg habe ich probiert, mein Rohr wie die anderen auch auf dem Kopf zu tragen, mit mäßigen Erfolg. Mama Johanna und Fora mussten sehr lachen und meinten „Utaweza“ und „Utajua“. Das bedeute „Du wirst es können/wissen“ und das höre ich sehr oft. Ziemlich cool, dass alle davon ausgehen! Ich muss mich nur ein bisschen gedulden, dann kann ich Kiswahili, die Chorlieder, Holz holen ohne mich auf die Nase zu legen und auch ein bisschen Kisambah, die regionale Sprache der Usambaraberge. Ich freue mich darauf und bin bis dahin allen für ihre Geduld dankbar. Meistens verstehe ich beim vierten oder fünften Mal, was man mir sagen möchten. Nein Quatsch, ein bisschen besser ist es schon geworden.

Was ist noch so passiert…. Oh, ich habe zum ersten Mal selber einen Hocker gewebt. Die werden ja auch in der Beschäftigungstherapie gemacht. Dazu muss man zuerst Sisal zwischen die Balken spannen und dann dadurch die Sitzfläche weben. Leider braucht man gerade am Anfang ziemlich viel Kraft, um das Seil zwischen das Holz und den gespannten Sisal zu ziehen. Ich bin nicht so wirklich kräftig und habe mir deswegen die Hand aufgescheuert – ich musste ziemlich über mich selber lachen und habe danach ziemlich oft „pole“ gehört. „Pole“ ist ein tolles Wort, man benutzt es, um sein Mitgefühl für jemanden auszudrücken und zu sagen „Das tut mir aber leid!“ (Der korrekte Wörterbucheintrag ist pole – Ausdruck des Mitleids.) Verwendet wird es für alles: Wenn jemand krank ist, reist oder auch arbeitet – „pole kwa kazi“ hört man hier sehr oft. Darauf wird dann mit „asante“ (danke) geantwortet.

Dreimal in der Woche, montags, mittwochs und freitags, bin ich abends nach der Arbeit beim Chor. Der Dienstag hat sich zum UNO-Abend entwickelt. Mam-Toi und Sam-Toi haben mich eingeladen, zu ihnen zu kommen um zu kochen, zu essen und zu spielen. Das ist immer sehr lustig, sie haben nämlich eine Menge Sonderregeln zum Spielen. Beim Dazwischenwerfen, Richtungswechseln und Kartentauschen verlieren wir schon mal schnell den Überblick. Oh, und dich wünsche mir meistens nur Blau oder Grün, die Wörter für Gelb und Rot vergesse ich nämlich immer. :D Bei ihnen lerne ich aber auch ganz viel über Tansania und Mam-Toi bringt mir das Kochen bei.
Wo wir gerade beim Essen sind. Hier aufgrund der großen Nachfrage ein Überblick über die Dinge, die ich bis jetzt hier so gegessen habe:

-          UgaliàMaisbrei

-          Reis  à Reis oder Ugali gibt es eigentlich zu jedem Essen

-          Bohnen à rot oder grün

-          Fleisch mit Tomatensoße (Tomatensoße ist unglaublich beliebt)

-          Spinat

-          Bananen à gekocht und ungekocht

-          Kebitshi à Kohl, ebenfalls gekocht und ungekocht

-          Chipsi Mayai à Pommes und Ei, quasi Omelett, seeeehr lecker!

-          Mandazi à frittiertes Gebäck, heißt auf Deutsch glaub ich Krapfen

-          Chapati à dünnes Brot, ein bisschen wie Pfannkuchen

-          Kartoffeln

-          Shorokos à kleine grüne Erbsen (?), die gekocht genauso schmecken wir Omas Erbsensuppe

-          Omelett

-          Dagaràkleine Fische, die tutti kompletti gegessen werden

Hammerbachers Kühltruhe und Vorratskammer sei Dankgab es aber auch schon Eis und eine Menge anderer toller Dinge, die man nur in der großen Stadt bekommt. Seit dieser Woche arbeite ich in der Krankenhausküche, im nächsten Eintrag kann ich also das Thema Essen nochmal vertiefen. :D

Meinen dritten Ausflug nach Korogwe habe ich auch schon gemacht, diesmal mit Flora zum Haare flechten. Ich habe mich total gewundert, warum sie schon um 8 Uhr morgens losfahren wollte. Nach sechs Stunden, die wir beim Frisör verbracht haben, hatte ich es dann verstanden – es dauert einfach unglaublich lange, Haare zu winzigen Zöpfen zu flechten. Nebenbei ist es auch ziemlich schmerzhaft, denn ich habe irgendwie verrenkt auf dem Boden gesessen und Mama Roberta hat ziemlich an meinen Haaren gezogen, um sie zusammen mit Kunsthaar, den Rastas, in Zöpfen unterzubringen. Zum Schluss hat sie die Haare noch an meinem Kopf festgewebt und mit einer Kerze alle herausstehenden abgebrannt – kurze Schrecksekunde für mich.
Das Ergebnis gefällt mir aber sehr und ist auch immer ein guter Gesprächsaufhänger.

Soooooo, dass wäre es glaub ich erstmal!

Vielen Dank fürs Lesen und liebe Grüße aus dem jetzt zum Glück wärmeren Lutindi
Hannah

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